Kunst als Negation

Fotos: © Cedric Vilim

Entwicklung eines Gestaltungskonzepts für die Buchausgabe meiner Dissertation gemeinsam mit Volker Pook und Cedric Vilim. Im Zentrum der Untersuchung steht die Minimal Art, die in den 1960er Jahren den an das Objekt gebundenen Werkbegriff immer mehr auflöste. Anstelle von durchgestalteten Skulpturen fanden sich in Ausstellungen Ziegelsteine, Metallplatten oder Kunststoffquader, die es kaum zuließen, sie als selbstständige Werke zu betrachten, denn sie fielen eher dadurch auf, was sie nicht waren. Durch den gezielten Verzicht auf die gewohnten Eigenschaften von Skulpturen schufen die Künstler eine erzählerische Leerstelle, die zu einem völlig neuen Verhältnis von Publikum und Werk führte.

Die von diesem Aspekt inspirierte Umschlaggestaltung steht mit dem großen Weißraum und den zu den Rändern verschobenen Titelbestandteilen einerseits für minimalistische Reduziertheit und verweist zugleich auf die Minimal Art als Kunst der Zwischenräume. Das fluoreszierende Rot der Schrift nimmt die Direktheit harter, industrieller Materialien und technisch erscheinender Farben auf, die gleichermaßen typisch für die Minimal Art sind. Entsprechend ist auch der farbige Buchschnitt eine Reminiszenz an einen in demselben fluoreszierenden Rot ausgeführten Acrylglasquader von Donald Judd, der im Innenteil des Buches als einzige Abbildung mit der Sonderfarbe koloriert ist und so das Konzept der Gestaltung visuell erschließbar macht.

Die ebenfalls in rot gehaltenen Kapiteltrennerseiten erinnern mit den im Kontrast zur filigranen Gesamtgestaltung überproportional groß gesetzten Anfangsbuchstaben der Kapiteltitel und der nur wenig kleineren Kapitelnummer an technische Kennzeichnungen.

Diesem Motiv folgt auch die Auswahl der Schriften, die neben der Melior die an technische Beschriftungen erinnernde Conduit und die schablonenschriftartige Blender umfasst. Das Verdrängen des Fließtextes durch die kleinformatigen, am rechten Rand in den Textblock geschobenen Bilder führt zu einer Stufung der Textkante und zitiert damit das Prinzip der Shaped Canvas von Frank Stella.

Die Gebrauchstauglichkeit des Buches manifestiert sich in umfangreichen Registern und Verzeichnissen, der klaren Hierarchie von schwarzem Fließtext, in dem sich die roten Verweisziffern deutlich absetzen, rotem Fußnotentext und der Verwendung der Sonderfarbe “Cool Gray” für nachrangige Informationen, wie Pagina und Kolumnentitel, sowie der Möglichkeit, die Kapitelanfänge am Schnitt des gebogenen Buchblocks abzulesen.

Die Gestaltung des Buches wurde vom Type Directors Club ausgezeichnet, nominiert für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland und hat außerdem den red dot design award und die Berliner Type in Gold gewonnen.